GUSTAV MAHLER:
 

Der Komponist (1860 – 1911)

 

Wer die Stadtvilla Gustav Mahler im Leipziger Waldstraßenviertel passiert, wird auf den ersten Blick kaum erahnen, dass hinter den Türen dieses pittoresken Gebäudes einst ein hochbegabter Komponist seine künstlerische Laufbahn beschritt. Erbaut um 1865, stand die dreigeschossige Stadtvilla in Leipzigs Bestlage einst auf der Liste der Leipziger Baudenkmale. Gustav Mahler lebte hier zwischen den Jahren 1887 und 1888. In dieser Zeit schuf der Sohn einer jüdischen Familie sein „Symphonisches Gedicht“ als Urfassung und Teile der daraus folgenden Ersten Sinfonie. Auch der als „Todtenfeier“ später in die Zweite Sinfonie eingegangene Satz fällt in seine Leipziger Zeit. Gustav Mahler gehört heute nicht nur in die Riege der bedeutendsten Komponisten der Spätromantik, sondern zählt auch zu den berühmtesten Dirigenten seiner Zeit und wurde auch als Operndirektor zu einem hochangesehenen Reformer des Musiktheaters. Zum Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens in Leipzig gilt die Uraufführung der ausschließlich aus Skizzen überlieferten Oper „Die drei Pintos“ von Carl Maria von Weber am 20. Januar 1888. Das unvollendete Werk von Weber hatte der Komponist rekonstruiert und ergänzt. Die dazugehörige Uraufführung in Leipzig war hochkarätig besucht: Das sächsische Königspaar König Albert und Königin Carola waren Zeugen des überwältigenden Erfolgs. Trotz des hohen Renommees, komponierte Mahler in der Folge keine weitere Oper mehr

MAHLERS WEGE:
Von Leipzig über Budapest und Hamburg weiter nach Wien

Nach seiner Zeit in Leipzig zog Mahler weiter nach Budapest. Von dort siedelte er 1891 nach Hamburg über, wo er schließlich die Leitung des dortigen Sinfonieorchesters übernahm. Sein weiterer Weg führte ihn schließlich an die Wiener Hofoper – die heutige Staatsoper. Seine Wiener Jahre zwischen 1897 und 1907 gelten als Mahlers Höhepunkt, denn er leitete im bis dahin sehr traditionellen Opernbetrieb bahnbrechende Reformen ein. So räumte er beispielsweise mit antiquierten Bühnendekorationen und starr posierenden Sängern auf. Bühnenbild, Handlung und Musik fügte er zu einem dramaturgischen Ganzen zusammen und setze mit seinen Neuerungen ein Zeichen – es folgte der Beginn der modernen Operninszenierung. Aber auch privat erfüllte sich Mahler in Wien einen Herzenswunsch: Er ließ sich taufen. Man spekuliert, dass er aus Furcht vor antisemitischen Hinternissen zum Katholizismus konvertierte. Im März 1902 heiratete er Alma Schindler, die er leidenschaftlich verehrte. Obwohl Alma selbst Künstlerin war, war sie von Mahlers Persönlichkeit fasziniert. Das Paar bekam zwei Töchter (Maria Anna, *1902 und Anna Justine, *1904).

MAHLERS FAMILIE:
 

Der tragische Tod der Tochter

Der Komponist bestand darauf, dass sich Alma zunehmend ihren Aufgaben als Ehefrau und Mutter widmete. Mahler selbst war zu dieser Zeit so tief in seine Kompositionen vertieft, dass die Familie lediglich die Sommermonate gemeinsam verbrachte. Auch der tragische Tod der älteren Tochter Anna Justine an Diphtherie im Jahr 1907, konnte die Bindung zwischen dem Komponisten und seiner Ehefrau nicht verstärken. Ein Jahr später wechselte Mahler schließlich an die Metropolitan Opera in New York, kehrte 1911 jedoch wieder nach Wien zurück, wo er am 18. Mai desselben Jahres schließlich starb. Alma Mahler spielte in den folgenden Jahren nach seinem Tod als Gastgeberin eines Künstlersalons eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft. Sie heiratete noch zwei weitere Male – zunächst den Architekten Walter Gropius, später den Dichter Franz Werfel – ließ sich jedoch bis zu ihrem Tod als „Witwe Gustav Mahlers“ feiern.